Der E-Commerce befindet sich seit Jahren in überproportionalem Wachstum, da Verbraucher diesen Vertriebsweg zunehmend favorisieren - hiervon ist auch der Markt für Reiseveranstalter betroffen. Portale wie Expedia haben ihre Umätze zwischen 2010 und 2011 um mehr als drei Milliarden Dollar gesteigert, Priceline steigerte den Rohertrag gar um eine Millarde Dollar. Die Gründe hierfür sind vielfältig - einer der wichtigsten dürfte sein, dass sich langsam aber sicher ein Generationswechsel vollzogen hat. Die ältesten Mitglieder dieser Zielgruppe sind zwischen 35 und 40 Jahre alt und haben "erlernt", online zu kaufen. Die Medienkompetenz dieser Zielgruppe ist als relativ hoch zu bezeichnen, weshalb Fallstricke gut erkannt werden. Bei den unter 25-Jährigen buchen mittlerweile 81 Prozent lieber im Internet als den Weg ins nächste Reisebüro anzutreten.

Dies ist ein wichtiger Vorteil für große Reiseportale und für Veranstalter, die welche rechtzeitig eine starke Internet-Präsenz geschaffen haben. Für das kleine Reisebüro von nebenan wird es indes immer schwerer, die für den Aufbau von attraktiven und verkaufsstarken Online-Angeboten notwendigen Maßnahmen dauerhaft zu bezahlen. Die einzige Ausnahme bilden hier Spezialanbieter, die abseits der Hauptabsatzmärkte immer wieder neue Nischen wie Peru-Individualreisen für zu erschliessen. Mindestens ebenso schwierig gestaltet sich ein verspäteter Einstieg in den Online Markt für klassische Reiseveranstalter. Hier zählen unter anderem veraltete interne Strukturen und starke Abhängigkeiten im Vertrieb von Reisebüros zu den häufigsten Problenem beim Aufbau von erfolgreichen eCommerce Präsenzen.

Der Online-Kuchen wird also in Zukunft unter Portalen und großen Anbietern aufgeteilt - Reisebüros werden hier oft nicht mithalten können. Dass diese trotzdem nicht aussterben, dürfte den sogenannten ROPO-Kunden zu verdanken sein (ROPO = research online, purchase offline) - also denjenigen, die sich im Internet informieren und dann ins Reisebüro ihres Vertrauens gehen. Gründe hierfür sind in der Regel der Wunsch nach einem persönlichen Ansprechpartner, persönliche Bindungen, die Sorge Zahlungsdaten im Internet preiszugeben etc.